30 Jahre Mauerfall – Erlebnisse der Autoren

Der Tag hat sich gejährt zum 30. Mal. Der Mauerfall am 09.11.1989 bleibt vielen in Erinnerung. Wie erging es unseren Autoren, wo waren sie, was haben sie erlebt und gedacht? All dies haben sie niedergeschrieben für diesen besonderen Beitrag. Ich, Admin Franzi, war im November 1989 gerade mal drei Jahre alt, lag im Bett und habe geschlafen, wie mir meine Mutter erzählte, während sie bis früh morgens vorm Fernseher den Mauerfall live mitverfolgte.


Gerhard A. Spiller: „Im Oktober 1989 hatte ich mein Studium an der Universität Konstanz am Bodensee aufgenommen. Donnerstags fand immer die Vorlesung ‚Einführung in die Volkswirtschaftslehre‘ mit anschließender Arbeitsgruppe statt. Der 9. November schien ein normaler Tag zu werden. In seinem weiteren Verlauf munkelte man zwar immer wieder über bemerkenswerte Vorgänge in der DDR, aber in der Hektik des Studiums, zumal als Erstsemester, ging das weitestgehend unter. Im Laufe des Nachmittags habe ich dann die erste Heimreise seit Studienbeginn angetreten. Als ich abends daheim angekommen war, habe ich durch das Fernsehen von den Ereignissen erfahren. Aber erst, als am anderen Morgen überall Fahrzeuge der Marken Trabant und Wartburg durch die Straßen fuhren, begriffen wir: Es war tatsächlich geschehen.“


Reinhard Sturm: „Am Donnerstag, dem 9. November, saß ich, wie alle, fasziniert vor dem Fernseher.  Mein Vater wohnte in dem kleinen Ort Eckertal bei Bad Harzburg direkt an der innerdeutschen Grenze, gegenüber dem DDR-Nachbarort Stapelburg. Am Samstag rief er mich im Stundentakt an und berichtete fassungslos, wie nun auch von Stapelburg her die Grenze geöffnet wurde und sich ein Strom von Fußgängern über den Grenzfluss Ecker nach Westen ergoss. Am Sonntag wollten meine Frau, unsere Kinder und ich ihn besuchen, was schon lange geplant war. Es gab jedoch kein Durchkommen, die Zufahrtsstraßen nach Eckertal waren weiträumig abgesperrt, in Bettingerode war für uns Endstation. Ich rief meinen Vater aus einer Telefonzelle an. Als Forstbeamter kannte er die Verantwortlichen von Polizei und Feuerwehr, sprach mit ihnen, und dann durften wir hinter ihm herfahren. In Eckertal bewegten wir uns, umspült von einer riesigen Menschenmenge, die zu den Sonderbussen nach der Stadt Bad Harzburg strebte, buchstäblich im Zentimetertempo bis zu seinem Haus.  Am Abend wollte ich es wissen. Auf der behelfsmäßig hergerichteten Brücke über den Grenzfluss Ecker standen BGS-Beamte und DDR-Grenzer einträchtig beisammen. Ich hielt meinen Ausweis hoch, aber in dem ständigen Kommen und Gehen beachteten sie mich überhaupt nicht. Ich marschierte also nach Stapelburg, fand eine Gaststätte, in der das Leben tobte, kämpfte mich zur Theke durch und bestellte ein Bier. Es war ein unglaublicher Moment.


Thomas Märtens: „Ich war als Polizist wie immer im Dienst im damaligen 4. Polizeirevier der Polizeidirektion Braunschweig, in der von Trabbiabgasen verräucherten Innenstadtbereich eingesetzt, um der sich geradezu überschlagenden Verkehrslage Herr zu werden. Die Stadt war von Menschen und Autos völlig überfüllt. Nichts ging mehr. Und doch waren es wunderbare Tage, denn ich spürte wie jeder andere auch, das geschichtsträchtige Flair dieser Tage. Versunken in der Masse wurde ich in Uniform tausendfach angesprochen und sah nur glückliche Menschen. Das Wort Freiheit war allgegenwärtig. Extrem emotionale Tage. „


Belinda Schönfeld: „Ich war 15 Jahr alt und hing mit den Kopf in den Wolken. Hatte den Traum einer Gesangskarriere und war viel unterwegs. Das Geschehen in den Nachrichten habe ich nicht realisiert. Als die Mauer geöffnet wurde waren die Lehrer am nächsten Tag komplett aus dem Häusschen. Es gab kein anderes Thema an der Schule. Doch die Bedeutung dessen war mir nicht bewusst. Es gab viele Feste zur Grenzöffnung. Ich fuhr Richtung Gera und hatte dort einen Auftritt. Im Radio kam die Durchsage, dass Chris de Burg in Berlin sei. Ich habe dort privat bei einer Familie übernachtet und war überwältigt von 1000 Eindrücken. Gastfreundlich und voller Ideen kamen mir die Menschen entgegen. Doch es gab auch die, die eben nicht mit der Grenzöffnung einverstanden waren. Jugendliche meines Alters hissten die Flagge und pöbelten Passanten an. Ich war erschrocken mit welcher Gewalt sie sich Luft machten. „


Geschichten, die uns alle verein

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