„MASKENPFLICHT“ AUCH FÜR UNS AUTOREN*INNEN – EINDRÜCKE UND ERLEBNISSE IN ZEITEN VON CORONA (II) & Geschichte von Petra Armgart „Maskerade“

Und im nächsten Teil zum Thema „Maskenpflicht“ folgen noch zwei Autorinnen, die mitgemacht haben. Ein großes Dankeschön an alle, die dabei sind und mitgemacht haben trotz dieser Zeit ein bisschen an der Webseite mitzuarbeiten. In diesem Beitrag gibt es noch eine Geschichte namens „Maskerade“ von Petra Armgart. Viel Spaß beim Lesen!


Ich empfinde die Pflicht eine Maske zu tragen als sehr beklemmend. Erstens kann man nicht wirklich gut darunter atmen und zweitens entweicht meine ausgeatmete Luft, die dann die Brillengläser beschlagen lässt. Wie ich das allgemein sehe? Als ein unangenehmes Übel, welches man in Kauf nehmen muss, um seine Mitmenschen zu schützen. Sabrina Michalek


Jede Krise hat ihre guten Seiten, doch haben wir jetzt nicht endlich begriffen, dass sich die Prioritäten für das, was wirklich wichtig ist verschoben haben. Wir haben mehr Zeit mit unserer Familie verbracht, soweit vorhanden, aber schnell festgestellt, immer Homeoffice kann auch nerven, es gab wieder Autobahnen ohne Stau, die Luft war besser, irgendwie war alles reiner…auch unser zu Hause, keine Kreuzfahrtschiffe und Millionen Touristen in Venedig… gut für alle historischen Touristenorte, aber was ist mit der Wirtschaft? Diese Krise geht vorüber, aber nicht spurlos.  Also ihr Lieben bleibt weiter gesund und gebt nicht auf! Petra Armgart


Maskerade

Eine hübsche Maske, ein Gesicht darunter, dass ich nicht kannte. Es musste ein künstlerisch begabter oder zumindest künstlerisch interessierter Mensch sein. Auf dem Stoff der Maske rankten sich purpurrote Blüten, aus denen lange, safrangelbe Fruchtstempel züngelten. Einige Kelche hatten sich noch nicht geöffnet und sahen aus, wie zusammengeklappte Schirme aus einem chinesischen Schattentheater. Das wunderschöne Muster erinnerte mich an einen botanischen Garten, in dem tropische, stark duftende Pflanzen gediehen, die einem den Atem nahmen. Ungünstig für eine Schutzmaske, schoss es durch meinen Kopf. Aber das Wort war ja verboten, auf keinen Fall durfte man diese Modelle, Mundschutzmaske oder Atemschutzmaske nennen. Denn dann fielen die Masken unter das Medizinproduktegesetz, und es bestand die Gefahr, dass Post von Abmahnanwälten ins Haus flatterte. Ja, so konnte man auch sein Geld verdienen. Dann doch lieber mit wunderschönen Mustern für kreative Gesichtsmasken reich werden.

Doch ich komme vom Thema ab. Mein Interesse an dieser Maske wurde auf dem Marktplatz geweckt, wo ich in der Sonne, auf einer Bank saß. Ich hatte ja Zeit, Zeit? Was war das nochmal… Zeit war etwas, was man als Geschenk betrachten konnte, Zeit konnte man zählen oder mitstoppen, man konnte sie aber auch verschlafen oder totschlagen. Genau das war heute mein Ziel hier auf dieser Bank. Denn ich hatte viel davon und sie lief träge, aber unaufhaltsam voran. Der Maskenträger setzte sich mit gebührendem Abstand von 1,50 Metern auf eine weitere Bank und schien fast provozierend in meine Richtung zu schauen. Ich spürte den Blick, obwohl ich auf mein Handy starrte, um die neusten Nachrichten von einem der vielen Virologen zu verfolgen. »Gefällt ihnen das Muster?«… der Satz schwappte mit selbstsicherer Stimme zu mir herüber. Ich klappte mein Handy zu und schaute ihn und seine bunte Maske an. »Ja, es hat mich schon von weitem fasziniert… sagen sie, woher haben sie diese Maske, sie ist wunderschön.« Die nächste halbe Stunde verflog ohne das Gefühl totgeschlagen worden zu sein und ich lauschte einer Geschichte aus Kopenhagen, wo ein Mann in einer Zeit vor Corona, in einem Smørebrødladen jeden Tag seine Traditionsstulle verspeiste, immer wieder die gleiche Frau an einem Tisch gegenüber beobachtete, weil sie zu ihrer Stulle täglich ein Bier und einen Aquavit, also ein typisches Herrengedeck, zu sich nahm. Eines schönen Tages, setzte er sich zu ihr, verfiel schnell ihrem dänischen Charme, weil in diesem Land die Rechte der Frau, denen von Männern in nichts nach standen. Zusammen tranken sie mehrere Herrengedecke und verließen den Stullen-Laden selten nüchtern.

Von sich und ihrem Leben gab die schöne Dänin wenig preis. Dass sie Künstlerin war, erfuhr er eher zufällig vom Kellner, als er eines Tages mit Leichenbittermiene und einem Brief vor ihm stand, auf dem in geschwungener Schönschrift sein Name stand. Der Inhalt war kurz und vieldeutig. Die Kunst ist zwar nicht das Brot, wohl aber der Wein des Lebens, ich habe zu tun.Auf die Frage, ob er wisse, wann sie zurück sei, bekam er ein Schulterzucken und die Antwort, Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit. Er sah sie nicht wieder, kehrte kurz vor der dänischen Grenzschließung zurück. Letzte Woche brachte die Post einen Umschlag ohne Absender. Er wusste sofort, dass er von ihr kam obwohl sie nie Adressen ausgetauscht hatten. »Die Maske war feminin für eine Frau die Herrengedecke trinkt, aber mit diesem Stück Stoff bin ich ihr unendlich nah.« Damit stand er auf und ging, während ich darüber nachdachte, was diese weltweite Krise für Schöne aber auch weniger schöne Aspekte an den Tag legte. Der erhöhte Alkoholkonsum, oder den »Trinken wir zu viel?« Titel einer deutschen Illustrierten, gehörte da wohl eher auf die Negativseite. Vielleicht fördert sie aber nicht nur in skandinavischen Ländern die Kreativität. Und bevor wir von Abmahnanwälten wegen falscher Wortfindungen verklagt werden, wollen wir doch lieber mit wunderschönen Mustern für kreative Gesichtsmasken reich werden.


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